Kommentar zur aktuellen Situation


Ich hab mir lange überlegt, was ich heute ein Tag nach dem Pokalaus schreiben soll, da hab ich im Rekordmeister-Forum folgenden Kommentar von User rUkIvErKh gelesen. Den will ich euch nicht vorenthalten, er trifft den Nagel einfach auf den Kopf:

„Ich würde es noch viel einfacher runterbrechen. Der FCB hat seit 2002 eine Identitätskrise und solange die nicht behoben ist, wird das nichts mehr.1999-2001 war der ganze Verein scharf drauf endlich wieder den CL-Titel zu holen. WIE man das gemacht hat; es hat niemanden interessiert. Es ging nur darum endlich wieder diesen Titel zu holen und wir haben es mit Bayernmitteln geschafft: Kampf, Zusammenhalt, Disziplin, Geschlossenheit, Intelligenz, Berechnung. Mit dem Titelgewinn 2001 war dieses Ziel erreicht und es wurde ein neues Ziel formuliert: „Das weiße Ballett – wir wollen spielen wie die Megaclubs aus Spanien“

Zuerst war unser neues Maß Real Madrid, aufgrund deren Erfolglosigkeit ist es mittlerweile Barca – aber im Prinzip kann man es einfach formulieren: Ziel des FCB ist es die CL so spielerisch leicht zu gewinnen wie diese Vereine. Man will keine brave Disziplin mehr, mal will den Glanz den auch diese Clubs haben und beinahe jede wichtige Entscheidung ist seitdem in diesem Zusammenhang gefällt worden. Wie oft wurde der Satz gesagt: „In einem Stadion wie der Allianz Arena muss dem Zuschauer ein attraktiver Fussball geboten werden.“ Was jahrzehntelang gut genug war und den Verein erfolgreich und ie Fans glücklich gemacht hat: es gilt und reciht seitdem nicht mehr.

Zuerst ist Hitzfeld daran gescheitert, weil sein Fussball international mit der neuen Mannschaft nicht getragen hat: Vorrundenaus gegen La Coruna und Milan.
Dann kam Magath und trotz großer nationaler Erfolge (über typischen Bayernfussball) war er hier nie wirklich akzeptiert oder geliebt. International hat es unter ihm eben gegen Vereine wie Milan oder Juve nie ganz gereicht. Ob das an seiner Arbeit oder eher an den damals noch unterschiedlichen finanziellen Möglichkeiten lag – ich will es nicht sagen. Jedenfalls hatte er nach zwei nationalerfolgreichen Jahren offensichtlich keinen Kredit mehr und man ließ die Mannschaft so sehr ausbluten, dass sie gar nicht mehr erfolgreich sein konnte.
Danach kam Hitzfeld und auch unter ihm kam nach Investitionen schnell wieder der nationale Erfolg. Für den internationalen Durchbruch war auch diese Mannschaft einfach noch zu schwach auf der Brust. Ob das wirklich eine Trainerfrage war – ich wage es zu bezweifeln. Warum wurde er „entlassen“? Weil er den Zuschauern kein Spektakel geboten hat – kein anderer Grund war ausschlaggebend.
Mit Klinsmann wird dann explizit ein Trainer gesucht, der diesen Fussball durchsetzen soll. Man bekommt zu 100% eins auf die Fresse.

vGaal ist einfach nur die logische Fortsetzung eines Vereins mit Profilneurose auf Trainersuche. Erst der Taktiker Hitzfeld, dann der Trainingsweltmeister Magath, dann wieder Taktiker, dann Motivationskünstler, dann „Konzept“trainer. Machen wir uns nichts vor! Einen vGaal mit seinen Ansichten wie Fussball auszusehen hat: der FCB von 2000 hätte diesen Mann ausgelacht. Frei nach dem Motto: in Schönheit sterben überlassen wir den anderen. Wir konzentrieren uns auf die einfachen Dinge dieses Sports, aber die machen wir bis zur Perfektion: 3-4 überragende Standardschützen (Scholl, Basler, Tarnat, Zé), kopfballstarke IVs (Anderson, Helmer, Linke), die unprätentiös ihre Arbeit machen, einen ausgebufften MS (Elber), der da ist, wenn er da sein muss, einen Spieler wie Ballack, der einfach 8-9mal pro Saison das 1:0 macht – mit einfachsten Mitteln.

Meine These ist: wenn der FCB wieder der FCB ist, dann wird er auch wieder dauerhaft so erfolgreich sein wie früher. Mittlerweile sind wir nur noch erfolgreich, wenn einzelne Spieler eine überragende Saison spielen. Dieser Erfolg hält meist genau ein Jahr an, bevor das gesamte System wieder implodiert. Ich denke das ist kein Zufall; ich denke der FCB hat eine Kultur um sich herum, die er nicht verleugnen kann. Wir produzieren in der Jugend keine Messis und Iniestas, sondern Schweinis und Müllers. Auch das sind super Talente, aber sie haben andere Stärken und das muss man respektieren. Ich behaupte auch, dass wir eigentlich gar nicht das Geld für Leute wie Robben oder Ribery haben – denn sonst würde man nicht seit Jahren diese Lücken im Kader zulassen. Das gab es früher beim FCB nie und es liegt natürlich an diesen Topverdienern.

Ich will nicht, dass wir spielen wie 2001. Natürlich wäre das heute nicht mehr erfolgreich. Aber ich will, dass wieder auf die grundsätzlichen Dinge Rücksicht genommen wird: sauber Abwehrarbeit, gute Standards, brave Arbeit. Ich will das solide gearbeitet wird. Ich will, dass wir uns für dreckige Siege nicht schämen. Ich will, dass Titel im absoluten Fokus stehen und nicht 4:0-Siege gegen Bielefeld, Nürnberg oder Hoffenheim – es interessiert einfach nicht. Was zählt ist er Erfolg und nicht wie es aussieht: damit sollen sich Barca und Real auhalten. Deutscher Fussball ist wie deutsche Wertarbeit: umprätentiös, unkaputtbar, zuverlässig und effizient. BMW kann und soll auch keine Ferraris bauen. Wir brauchen einen soliden Erstwagen und keinen Motor, der nach 200km das erste Mal versagt, aber theoretisch 800 PS hat. Ich will eine Karrosserie die hält und eine Pinin Farina-Klitsche, die beim Kauf schon rostet – aber hübsch aussieht.“

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